Sonntag, 3. November 2013

Das Martyrium der Schweden

Hey ihr Lieben, 

hier noch ein letzter Eintrag von der Schweden-Gruppe und auch nur, weil unsere Rückreise so bemerkenswert schief gelaufen ist. Wie geplant stiegen wir am Montagmorgen um 13:00 Uhr in unseren Zug von Halmstad nach Kopenhagen und ahnten noch nichts böses. Während dieser Zugreise wurde vom Schaffner durchgesagt, dass wegen des herannahenden Sturms ab 16:00 Uhr keine Züge mehr in Schweden fahren sollten. Das bedeutete für uns zunächst nur, dass wir noch ohne Schwierigkeiten nach Kopenhagen fahren konnten. Über diese Meldung waren wir erleichtert, da wir uns erhofften von dort problemlos weiterfahren zu können. Unbewusst dessen, was uns noch bevorstehen sollte, wechselten wir dann in K. die Züge und setzten unsere Reise fort – einen kurzen Moment jedenfalls.
Gegen kurz nach 16 Uhr (etwa an der 2. oder 3. Haltestelle nach K.), stoppte unser Zug und wir wurden über eine Durchsage in auch sehr gebrochenem Deutsch darüber informiert, dass auf der Strecke vor uns Bäume umgestürzt waren und die Schienen blockierten. Wann die Fahrt weitergehen sollte, wusste niemand, auch keiner vom Zugpersonal. Da wir aber in Hamburg ohnehin noch einen zweieinhalbstündigen Aufenthalt zwecks Umstieg im Rücken hatten, hofften wir zu diesem Zeitpunkt noch das beste (wir Narren).
Schlussendlich saßen wir bis ca. 22 Uhr in besagtem Zug, ohne Informationen oder besondere Durchsagen des Lockführers (er sagte nur regelmäßig durch, dass er absolut keine Ahnung hatte, wann es weitergehen sollte). Zwischendurch wurde noch etwas von Ersatzbussen gefaselt, die uns abholen und zu unseren Zielbahnhöfen (in unserem Fall Hamburg) bringen sollten, doch dies geschah einfach nicht. Im Laufe der geraumen Wartezeit wurde von mehreren Personen, uns eingeschlossen, Pizza zum stehenden Zug bestellt und verspeist. Die sinnloseste Aktion der Bahn war dann, kurz nach dem Essen die Personen mit dem Ziel nächster Bahnhof mit dem Bus zu transportieren. Denn, um die besagte Zeit von etwa 22 Uhr (sehr kurze Zeit nach der Busabholung), fuhren wir überraschenderweise doch noch eine Station vorwärts, um dann darüber informiert zu werden, dass die Fahrt an diesem Tag nicht mehr weitergehen würde und wir ein Zwischenquartier in der Nähe von Kopenhagen beziehen würden. Also ging es wieder eine Stunde zurück, bis nach Roskilde, das wir gegen 00:00 Uhr erreichten. Dort widerum schien auch erstmal niemand zu wissen, was mit uns 100 – 120 Personen anzufangen war.
Schließlich kam die dänische Polizei hinzu und klärte uns auf, dass wir in einigen Busladungen zur in Roskilde ansässigen Feuerwehr gebracht werden würden, um dort ein Notquartier für die Nacht zu beziehen und eine Mahlzeit zu bekommen. Wie es am nächsten Morgen weitergehen sollte, war auch noch äußerst unsicher, da niemand wirklich wusste, wann die Züge wieder fahren sollten.
Bei der Feuerwehr kamen wir gegen 01:00 Uhr an und bekamen dort etwas zu trinken und eine Ladung Obst, sowie Isomatten und Schlafsäcke. Ein Großteil der Leute übernachtete in der Turnhalle der Feuerwehr, ein kleinerer Teil, uns eingeschlossen, nächtigte im Aufenthaltsraum. Am Morgen um 6 wurden wir wieder geweckt und erhielten ein Kaffee- und Brötchenfrühstück. Danach wurde uns mitgeteilt, dass immer noch keine Zugverbindungen bestanden und wir alle in Reisebussen nach Hamburg transportiert werden würden, die die auf dem Weg liegenden Bahnhöfe abfahren würden. Also traten wir eine lustige Busreise gen Hamburg an, auf der wir nach etwa 20 Minuten noch mal zur Feuerwache zurückfuhren, weil zwei Frauen vergessen worden waren. Wir erreichten den Hamburger Hauptbahnhof um 14 Uhr (11 Stunden nach unserer eigentlichen Ankunftszeit in Köln).
Von dort aus ging zum Glück alles (relativ) planbar weiter und mit nach einem Umstieg in Hannover erreichten wir tatsächlich am Dienstagabend um 20:09 Uhr den Kölner Hauptbahnhof. Unsere Rückreisezeit betrug so schlussendlich ca. 33 Std.
Dass es so miese laufen würde hatten wir uns nie vorstellen können, aber doch war das ganze, vor allem die Übernachtung bei der Feuerwehr, doch eine Erfahrung wert.
Jetzt sind auch wir wieder in der Heimat und pennen wahrscheinlich erstmal wie die Siebenschläfer.

Viele Grüße von den (gebeutelten) Schweden